
Lange habe ich gezögert, ob ich dieses Jahr überhaupt meinen traditionellen Rück- und Ausblick veröffentlichen sollte. Denn wenn ich vor einem Jahr schon schrieb: „2024 war ein schwieriges Jahr“, so wurde 2025 noch deutlich schwieriger. Möchte ich das wirklich schwarz auf weiß in meinen Blog gießen?
Andererseits: Wem nützt es, wenn alle nur noch über Erfolge sprechen? Die Lage ist schwierig für meine Branche. Viele, viele meiner Netzwerkkollegen und -kolleginnen haben aufgegeben. Freiberufliche Texter*innen, Übersetzer*innen und Lektor*innen sind reihenweise in die Festanstellung gewechselt. Manchmal im selben Feld, oft aber fachfremd.
Vor diesem Hintergrund kann man es schon als Erfolg werten, dass ich als Schreibtrainerin überhaupt noch da bin.
Schreibtrainings in Zeiten von KI
Die größte Frage ist ja: Braucht es überhaupt noch Schreibtrainings in Zeiten von KI?
Meist höre ich darauf: „Wenn du unbedingt am Markt bleiben willst, musst du halt auf den KI-Zug aufspringen. Bring den Leuten bei, wie sie richtig prompten und KI-Texte vernünftig überarbeiten.“
Eine Zeit lang habe ich mich damit auch herumgetragen. Doch ziemlich schnell hat sich bei mir ein großes NEIN herauskristallisiert. Ich möchte weiterhin auf das setzen, was Schreiben für uns Menschen bedeuten kann: Das Glück einer gelungenen Formulierung. Ein sprühendes Hirn, ein klopfendes Herz. Wissenszuwachs und Entwicklung. Erfüllung.
Falls sich die Menschheit in dieser Hinsicht wirklich wandelt und die KI unsere ureigene Kreativität ersetzt: Dann ist es immer noch Zeit für mich, den Hut zu nehmen. Ich versuche also, mich nicht von der Torschlusspanik anstecken zu lassen, ich müsse unbedingt jetzt umsatteln.
Honorarkraft an der Schule
Ein bisschen habe ich mich dennoch umgeschaut. So habe ich im September 2024 eine Tätigkeit als AG-Leiterin an einer Sekundarschule aufgenommen. Das Thema: kreatives Schreiben. Ich als Lehrerin an der Schule, wäre das ein Weg?
12- bis 13-jährige Teenies nach einem langen Schultag zum Schreiben zu motivieren, erwies sich jedoch als echte Herkulesaufgabe. Nach drei Halbjahren habe ich mich nun verabschiedet. Die Belastung wurde zu groß, zumal ich noch einen (gänzlich fachfremden) Minijob aufgenommen habe.
Ich nehme auf jeden Fall mit, dass ich nicht als Quereinsteigerin ins Lehramt gehen werde. Mich hat zu sehr belastet, dass die Kids nicht wirklich aus freien Stücken in der Klasse sitzen (die AG war für sie eine Pflichtveranstaltung). Das ist in meinen Schreibworkshops und auch in meinem Minijob anders: Dort kommen die Menschen zu mir, weil sie etwas von mir wollen. Ein Riesenunterschied.
Normenarbeit
Ein spannendes neues Feld hat sich Ende des Jahres aufgetan. Im November war ich zu Gast im DIN-Institut. Anlass war die Auftaktsitzung zur Überarbeitung der DIN 5008, der Norm für Textverarbeitung. Hier sehen Sie ein paar Impressionen:

Die DIN 5008 kommt vor allem in Behörden zum Einsatz, aber auch viele Unternehmen nutzen sie als Richtlinie, um ein einheitliches Bild ihrer Texte zu erzielen. Die nächste überarbeitete Ausgabe wird im Jahr 2028 erscheinen, passend zum hundertjährigen Jubiläum.
Und ich bin nun Teil des Gremiums, das sich um die Überarbeitung kümmert. Geld gibt es dafür nicht – ich musste sogar zahlendes DIN-Mitglied werden. Aber mein Nerd-Herz schlägt höher bei dieser Gelegenheit.
Außerdem mag ich den Ansatz, den Arbeitsausschuss aus Vertreter*innen unterschiedlichster Interessengruppen zusammenzusetzen. Die Perspektive der freiberuflichen Schreibtrainerin sollte da nicht fehlen, finde ich. Ich werde berichten!
Mein Jahr in Zahlen
Zurück zu meinem eigentlichen Business. Wie haben sich die Zahlen entwickelt? Der Vergleich zu den Vorjahren ist hier besonders interessant.
1. Unternehmensworkshops
- Anzahl Trainings: 8 | 2024: 12 | 2023: 21
- Davon in Präsenz: 2 | 2024: 1 | 2023: 6
- Anzahl beauftragender Unternehmen: 7 | 2024: 8 | 2023: 12
2. Kurse für andere Bildungsanbieter
- Anzahl Trainings: 21 | 2024: 10 | 2023: 6
- Anzahl beauftragender Anbieter: 5 | 2024: 6 | 2023: 3
3. Offene Workshops
- Anzahl Trainings: 22 | 2024: 20 | 2023: 13
Damit habe ich 2025 insgesamt 51 Workshops gegeben, gegen 42 im Vorjahr.

Fotos: Für einen Unternehmensworkshop bin ich in die Lüneburger Heide gereist. Ich lege mir meine Zugfahrzeiten immer so, dass ich noch Zeit zum Erkunden habe. Das hat sich auch diesmal sehr gelohnt!
Insgesamt sind die Unternehmensworkshops aber sehr zurückgegangen. Von 21 im Jahr 2023 auf 8 im letzten Jahr. Die Unternehmen müssen sparen – und da sind Schreibworkshops nicht das Erste, wofür man im KI-Zeitalter Geld ausgibt.
Dafür habe ich mehr Kurse für andere Bildungsanbieter gegeben: 6 im Jahr 2023, 21 im Jahr 2025. Ziemlich genau spiegelverkehrt also. Umsatzmäßig sind diese kurzen Trainings aber natürlich nicht zu vergleichen mit einem Tagesworkshop für ein Unternehmen, den ich über viele Tage individuell vorbereite.
Die dritte Säule sind meine offenen Workshops, also Trainings, die ich über meine Website und den Newsletter anbiete.
Von meinem Evergreen-Workshop „Lebendig schreiben“ musste ich mich verabschieden. Als allgemeines Stiltraining traf er nicht mehr den Nerv. Die spezifischen Themen waren eher nachgefragt, etwa das Posten auf LinkedIn oder die E-Mail-Kommunikation.
Auch meine Trainings zur deutschen Sprache (Kommasetzung, Rechtschreibung und Grammatik) liefen gut. Ich habe jedoch weniger Teilnehmende als früher – ergo weniger Umsatz. Außerdem macht sich bemerkbar, dass ich eher die kostengünstigen kurzen Trainings verkaufe als die Langformate von früher.
Umsatzentwicklung
Damit komme ich zur bittersten Zahl: meiner Umsatzentwicklung. Von 2024 zu 2025 musste ich einen Umsatzrückgang von 23 % verbuchen. Verglichen mit 2023 beträgt der Umsatzrückgang sogar 36 %. Aber wie ich eingangs schon schrieb: Damit war zu rechnen. Jedes Schreibtraining, das ich trotz ChatGPT noch geben kann, ist ein Erfolg.
Der Umsatz entfiel auf:
- Unternehmensworkshops: 26 % | 2024: 26 % | 2023: 43 %
- Workshops für andere Anbieter: 35,5 % | 2024: 31 % | 2023: 22 %
- Offene Workshops und Rest: 38,5 % | 2024: 43 % | 2023: 36 %
Dieses Jahr kann ich den letzten Posten genauer aufteilen: offene Workshops 30,5 %, Rest 8 %. In den Rest fallen meine Honorartätigkeit an der Schule, ein Copywriting-Auftrag und meine VG-Wort-Einnahmen.
Sichtbarkeit: Wie kommen die Leute auf mich?
Schauen wir jetzt noch auf mein Marketing. Welche Kanäle haben funktioniert?
Seit 2022 gebe ich einmal im Jahr ein kostenloses Rechtschreibwebinar für eine größere Teilnehmerzahl. Das ist immer sehr praktisch, um mittels Umfrage mehr über meine Zielgruppe zu erfahren. 84 Teilnehmende waren es diesmal. 30 % hatten schon mal an einem Workshop von mir teilgenommen, 70 % noch nie.
Auf die Frage „Wie sind Sie erstmals auf mich aufmerksam geworden?“:
- Über die Website/den Blog: 44 %
- Über Social Media/LinkedIn: 10 %
- Über andere Wege: 14 %
- Ich weiß es nicht mehr: 33 %
Ein Drittel weiß es nicht mehr – hier fehlen mir also wertvolle Daten. Es zeigt aber sehr schön, dass es viele Touchpoints braucht, bis eine Person ein Angebot wahrnimmt. So viele, dass man oft nicht mehr weiß, was der erste Berührungspunkt war.
Auf die Frage „Seit wann folgen Sie mir?“:
- Seit einem Jahr oder kürzer: 25 %
- Seit ungefähr zwei, drei Jahren: 37 %
- Schon sehr lange: 37 %
Dass so viele Menschen mir schon „sehr lange“ folgen, ehrt mich sehr. Ein Viertel ist immerhin neu auf mich aufmerksam geworden. Eine gewisse Sichtbarkeit ist also gegeben, das ist ermutigend.
Mein Marketing mit Newsletter und Blog
Mein wichtigstes Marketinginstrument ist mein Newsletter. 2025 habe ich 18 Newsletter versendet. Die Zahl meiner Abonnenten und Abonnentinnen bewegte sich um 4.400 herum.
Schon seit vielen Jahren halten sich Abmeldungen und Anmeldungen immer ungefähr die Waage. Es ist sehr schwer, noch Zuwachs zu bekommen. Grund dafür ist zum einen die heutige Newsletterflut. Verständlicherweise überlegen die Leute es sich dreimal, bevor sie sich einen weiteren Newsletter ans Bein binden. Zum anderen funktioniert mein Blog längst nicht mehr so gut wie früher.
Stichwort Blog: Seit die Menschen beim Googeln nur noch die KI-Zusammenfassung lesen und gar nicht mehr auf die Webseiten gehen müssen, ist meine Blogging-Motivation komplett eingebrochen. Wozu sich noch abstrampeln? Dafür ist es einfach viel zu viel Arbeit. So lag mein Blog die letzten acht Monate brach.
Andererseits möchte ich das Thema auch noch nicht aufgeben. Ich muss irgendwie meine Motivation wiederfinden!
Erschienen sind:
- Buchtitel zitieren: So fügen Sie einen Buchtitel korrekt in den Satz ein
- Obligate Grüße vom sinistren Adlatus: 10 Fremdwörter und was sie bedeuten
- So schreiben Sie Datum und Uhrzeit richtig (aktualisierte Fassung)
- Mein Jahr 2024: Rückschau und Ausblick
Sichtbarkeit durch Social Media
Während ich mich mit dem Blog schwergetan habe, hatte ich weiterhin viel Freude an LinkedIn. Die Zahlen vom 01.01.2026:
- 4.200 Follower*innen (geschätzt für den 01.01.) | +854 im Vergleich zum Vorjahr
- 53 Beiträge | -47 im Vergleich zum Vorjahr
- 366.673 Beitrags-Impressionen | + 16 % im Vergleich zum Vorjahr
- Erfolgreichster Beitrag: 65.226 Impressionen | Vorjahr: 29.217
Der erfolgreichste Beitrag war ein Posting, in dem ich Ausdrücke für „Das erstaunt mich“ vorgestellt habe. Mit 505 Likes und 421 Kommentaren gab es viel Beteiligung. Hier können Sie ihn nachlesen: Da brat mir doch einer nen Storch.

Mit 53 Beiträgen habe ich im Schnitt ziemlich genau 1 Beitrag pro Woche veröffentlicht. Vorgenommen hatte ich mir einen Wert von 1,75. Dass ich das nicht eingehalten habe, verzeihe ich mir aber. Die Zeit für die Nachbetreuung eines Beitrags (= auf Kommentare antworten) ist nicht zu unterschätzen. Bei zwei Beiträgen pro Woche ist das schon echt viel.
Instagram habe ich nur mitlaufen lassen, indem ich geeignete LinkedIn-Slideshows repostet habe. Keine Storys mehr, keine Reels.
Wie geht es weiter?
Zum Schluss noch mein Ausblick aufs nicht mehr ganz so neue Jahr. Wie mache ich weiter?
1. Marketing
Ich möchte wieder regelmäßiger bloggen. Fünf bis sechs Beiträge im Jahr 2026 wären ein gutes Ziel. Auf KI-Optimierung verzichte ich dankend – das nimmt mir nur die Freude am Bloggen.
LinkedIn kann weiterlaufen wie bisher, mit mindestens einem Beitrag pro Woche.
Den Newsletter werde ich etwas häufiger versenden. Dazu habe ich mir schon einen besseren Workflow im Kalender angelegt. Sprich, ich plane besser, wann ich welche Workshops im Newsletter bewerbe.
2. Workshopangebot
Was bleibt? Vor Kurzem habe ich mein Kommatraining auf zwei Module aufgeteilt, das war eine gute Entscheidung. Abzüglich „Lebendig schreiben“ habe ich dann zehn Workshopformate, die ich sogar noch etwas häufiger als letztes Jahr anbieten möchte.
Was ist neu? An die Stelle von „Lebendig schreiben“ tritt ein neuer Workshop, der sich der sprachlichen Ausdruckskraft widmen wird. So eine komplette Neukonzeption kostet viel Zeit und Kraft. Sobald ich diesen Blogbeitrag veröffentlicht habe, steht erst mal ein Zeitplan an.
Außerdem schwebt mir eine regelmäßige Schreibgruppe vor. Gerade in Zeiten von ChatGPT ist ein KI-freier Rahmen meiner Ansicht nach sehr schön und wichtig.
Mehr dazu bald im Newsletter!
Fazit: Meine Leitwörter für 2026
Jedes Jahr gebe ich mir ein Leitwort. 2024 und 2025 lautete es „Struktur“. Dieses Jahr brauche ich etwas ganz anderes, nämlich „Zutrauen“. Zutrauen, dass ich meine Freiberuflichkeit noch länger aufrechterhalten kann. Und Zutrauen in unsere Kreativität, die uns als Menschen auszeichnet und die keine KI ersetzen kann.
Haben Sie Gedanken, die Sie teilen möchten? Lassen Sie mir gerne einen Kommentar da oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

Danke, dass Du das so offen teilst. Das machen leider viele nicht und so schreckt es mich (z. B.) häufig von LinkedIn ab, wo alle lächlend ihre Erfolge in Bild und Worten zeigen, obwohl es so vielen in unserer Text-lastigen Branche nicht gut geht.
Ich bin übrigens auch so eine Langzeit-Followerin. 😉 Deiner gehört zu den wenigen Newslettern, die mich schon so lange begleiten.
Mir ging es beim Bloggen ähnlich wie dir. Nachdem mir eine SEO-Beraterin im Sommer 2025 sagte: „SEO ist tot“ (in anderen Worten, habe ich es erstmal drangegeben. Aber ich bin im Januar auch wieder gestartet.
Vor allem, weil ich meine Kund*innen zur Vertiefung zu bestimmten Posts schicken kann. Dann können wir uns in den Textsprechstunden um ihre Bücher und Konzepte kümmern, und sie können die Anleitung und Tipps (z. B. zu Schreibsprints) dann später nachlesen.